Sichtbar sein und Spaß dabei

Bei der Premiere von Your Voice be visible! traten unterschiedlichste Gründerinnen auf

 

Einfach loslegen und nicht wissen, was passiert? Das trauten sich 60 Frauen im November bei der langen Online-Nacht der Gründerinnen 2021. Die Kontaktstellen Frau und Beruf Ludwigsburg – Region Stuttgart, Mannheim – Rhein-Neckar-Odenwald, Neckar-Alb und Heilbronn-Franken hatten zum Contest nach Vorbild von The Voice geladen. Dabei stellten sich die Kandidatinnen unbekannten Aufgaben und pitchten ihre Geschäftsideen.

 

Auf diese Art lernten die Zuschauerinnen spannende Unternehmen wie Tanja Germanns virtuellen Marktplatz Tavani für nachhaltige Haustierprodukte kennen, Tabea Lerchs Online-Stadtmagazin Hallo Ludwigsburg, Ina Staudenrauschs Personal Training für je zwei Personen und Jutta Büttners Kommunikationstraining für Führungskräfte.

 

Vorbereitung mit Coaches

Im Lauf des Abends bereiteten sich 19 „Participants“ mit zufällig zugeteilten Coaches auf ihre Tasks vor: Zunächst durften sie ihr Business-Modell mit dem einer anderen Teilnehmerin kombinieren. Verhaltensneurobiologin Dr. Yvonne Ritze, die Menschen dabei hilft, aus stressigen Verhaltensmustern auszubrechen, entwickelte zusammen mit Dr. Jasmin Buck deren Achtsamkeits-Boxen weiter: „In unsere verrückte Verhaltensbox könnt ihr reinschauen, wenn ihr dem Chef die Meinung sagen, eure Kinder nicht immer nur anlächeln und dadurch ein glücklicheres Leben haben wollt“, erklärten sie im Zoom-Call.

 

Eine Box zauberten nach kurzer Beratung auch Sara Schirrmann (Coaching Consulting Concepts) und Katharina Reichardt (Kinderlabel vonpfauhausen) aus dem Ärmel. Ihre Idee: Ein Zusatzverdienst für regionale Schäfer, indem die Wolle ihrer Tiere nicht mehr weggeworfen, sondern zu Mützen, Handschuhen, Decken oder anderen Dingen verarbeitet und in einer Geschenkbox verkauft wird.

 

Bei Adriana de Sá Behnstedt, Iv Jaeger und Eva Stimpfl entstand innerhalb kürzester Zeit der Wunsch nach einer Café-Lounge für Frauen, die auf der Suche nach innerer Stärke und Balance sind. Hintergrund ist Adrianas Kaffee-Firma, die nur von Frauen in Brasilien produzieren lässt. „In einem Land, in dem der Machismo noch heute herrscht, möchte ich Frauen mehr Sichtbarkeit geben“, so die Gründerin. Ihre Pitch-Partnerinnen kennen als Coaches und Consultants den Weg zu mehr mentaler Kraft.

 

 

60 Frauen im Zoom-Call

Das Ungewisse an dem neuen Format Your Voice be visible!, auf das sich alle Frauen eingelassen hatten, wich bald einer großen Lust am Ausprobieren. Und auch an humorvollen Einlagen mangelte es nicht, wenn die Session mit fast 60 Teilnehmerinnen trotz strukturierter Moderation von Stefanie Wolz (Kontaktstelle Frau und Beruf Ludwigsburg) teils an eine Séance erinnerte („Beate, bist du bei uns?!).

 

In virtuellen Räumen konnten Zuschauerinnen und ausgeschiedene Teilnehmerinnen Netzwerken, Stimmtrainings absolvieren und sich über die Kontaktstellen informieren. Die verbliebenen Gründerinnen bereiteten sich parallel auf neue Aufgaben vor: In Runde zwei galt es, anhand eines Haushaltsgegenstands zu erklären, warum er für die eigene Arbeit so wichtig ist.

 

Larissa Ritzhaupt, die mit ihrer Firma Mindloom Leichtigkeit ins Unternehmertum bringt, nannte eine Schere essenziell, um den Knoten zu lösen, der uns davon abhält, unser Potenzial zu entfalten. Marion Krämer erklärte mit dem imaginären Metermaß in der Hand, dass sie maßgeschneiderte Lösungen in personenzentriertem Coaching anbietet. Begeisterung erntete auch Tabea Lerch mit dem Konzept, allen Leser*innen ihres Stadtmagazins einen Hammer in die Hand zu drücken, damit sie sich coronakonform dezentrale Glühweinstände bauen können! Als Monika Deinhart, die mit 25-jähriger Business-Erfahrung Feedback an Leute gibt, die zweifeln, ob ihre Botschaft ankommt, „Holzspäne durch ein Teesieb“ rieseln lässt und ihren Löffel so entspannt schwingt wie bei Uri Geller, jubeln die Zuschauerinnen.

 

Zuschauerinnen stimmen ab

Zwischen den kurzweiligen Pitches entschieden die „Spectators“ via Smartphone, welche Beiträge sie am besten fanden. Spannend: der ein oder andere Blick in die Wohnzimmer und Büros: Hier ein Regal voll Aktenordner, dort ein Fahrrad an der Wand oder ein Poster mit dem Wunsch „man sollte öfter einen Mutausbruch haben“.

 

In der Endrunde wird es nochmal spannend: „Was wird die Konkurrenz in fünf Jahren über dein Business sagen?“ lautet die Aufgabe. Tabea punktet mit der Vorstellung eines Zeitungschefs, dem „Hallo Ludwigsburg“ viel Kopfzerbrechen bereitet. „Die haben den Sprung auf den digitalen Zug noch geschafft und machen jetzt immer so kurze Videos. Mittlerweile gibt es sogar ‚Hallo Berlin‘ und ‚Hallo Hamburg‘!“, jammert der Mann.

 

Und während Iv und Eva sich in fünf Jahren auf Symposien über ihr holistisches Konzept zur Überwindung innerer Leere sehen, stellt sich Larissa eine Klientin vor, die dank ihrer gemeinsamen Arbeit einen schweren Rucksack ablegen konnte und wieder Spaß am Unternehmertum hat. Das Rennen gewinnt aber Monika, die in den Augen ihres imaginären Kritikers „irgendwas mit Feedback“ macht. „Ich hab gedacht, das wird nix bei der – mit 60 nochmal durchstarten … Aber jetzt ist sie berühmt!“ Für ihren mitreißenden Pitch erhält Monika nicht nur die meisten Stimmen, sondern auch den Achtsamkeits-Bestseller „Ein guter Plan“.

 

Zum Abschluss der langen Online-Nacht der Gründerinnen kann sich Anke Wiest (Leiterin der Kontaktstelle Frau und Beruf Ludwigsburg) eine Bemerkung nicht verkneifen: „Heute haben auch alle gewonnen, die an unser neues Format geglaubt haben. Wir wussten alle nicht, was bei ‚Your Voice be visible!‘ passieren wird!“